Betreuung verkürzt Arbeitslosigkeit


Angewandte Relativitätstheorie. Es ist Wahlkampf. Martin Schulz dröhnt von Gerechtigkeit. Seehofer schmiedet seinen Bayernplan. Angela Merkel will weiter auf dem schmalen Grat der Alternativlosigkeit den Nutzen des deutschen Volkes mehren – und die LINKE fragt bei der Bundesagentur für Arbeit an, wie es denn um die Länge der Arbeitslosigkeit der Langzeitarbeitslosen bestellt sei.

Die Antwort der Bundesagentur fiel aus, wie erwartet: Aktuell betrage die durchschnittliche Arbeitslosigkeit von Langzeitarbeitslosen 629 Tage, was eine Steigerung um 74 Tage oder 13,3 Prozent gegenüber der Situation im Jahre 2011 bedeute.

SPIEGEL ONLINE hat um diese „Nachricht“ herum einen kurzen Artikel gewunden, in welchem selbstverständlich unmissverständlich darauf hingewiesen wird, dass die Zahl der Arbeitslosen auf den tiefsten Stand seit 1991 gesunken sei. Dass bei der BA nur noch 2,473 Millionen Arbeitslose registriert seien, die aber immer schwerer zu vermitteln seien, weil ihnen wichtige Qualifizierungen fehlen.

Natürlich vertraut auch der SPIEGEL darauf, dass diese krasse Fehlinformation geschluckt wird. Die Zahl der heute von der BA als arbeitslos gezählten Menschen mit der von 1991 zu vergleichen, heißt eimerweise Sand in die Augen zu streuen. Wie viele Menschen nach den damaligen Maßstäben heute als arbeitslos zu zählen wären, kann kein Mensch beantworten, weil die dafür erforderlichen Daten schlicht nicht mehr erhoben werden. Addiert man alleine das, was aus dem Bericht der BA an „nicht als arbeitslos gezählten Arbeitslosen“ noch hervorgeht, kann man über die plakativ verbreiteten 2,473 Millionen nur noch grimmig lachen.

Wie es um die tatsächlich fehlenden Qualifizierungen bestellt ist, ist noch schwerer herauszufinden. Bekannt ist, dass ein Arbeitsloser, der (wenn ich mich recht erinnere) zwei Jahre nicht in seinem Job gearbeitet hat, von der BA grundsätzlich als „unqualifiziert“ geführt wird, was bestimmt nicht in allen Fällen so gerechtfertigt ist.

( … )

Quelle und vollständiger Artikel: Egon W. Kreutzer

Weitere Infos: KLICK

14. Juli 2017

4 Kommentare

  1. “ . . . weil ihnen wichtige Qualifizierungen fehlen . . . “

    . . . was damit angesichts via jobcenter vermittelten mehrheitlichen präkeren zeitarbeitstätigkeiten wohl gemeint ist ? : wahrscheinlich wird unter qualifizierung der bedingungslose einsatz im niedriglohnsektor gemeint sein und dabei auch über körperliche einschränkungen/behinderungen hinwegzusehen .

  2. Herbert Masslau

    17. Juli 2017 um 10:29

    „x“ hat recht in seinem Kommentar zu
    “ . . . weil ihnen wichtige Qualifizierungen fehlen . . . “.
    Es hat noch nie so viele qualifizierte arbeitslose Akademiker gegeben. Warum werden z.B. nicht arbeitslose Lehrererinnen und Lehrer eingestellt statt der permanenten Suche nach Quereinsteigern? Warum sollten seinerzeit die „Schlecker“-Frauen auf Kindergärtnerinnen umgeschult werden statt die arbeitslosen gelernten Kindergärtnerinnen einzustellen?
    Usw. usw.

    Herbert Masslau

  3. Willi Freundlich (Pseudonym)

    18. Juli 2017 um 17:14

    Arbeitslose, die an Eingliederungsmaßnahmen teilnehmen ebenso Mini- und Midi-Jobber, die aufstockende Alg2-Leistungen erhalten, werden nicht in der Arbeitslosenstatistik geführt. Auch fallen heraus Arbeitslose, die Urlaub machen oder krank sind und sich in Kur oder Sanatorein aufhalten. Langzeitarbeitslose gelten häufig als unvermittelbar und werden automatisch aus der edlen Statistik entfernt. Ebenso werden daraus entfernt all diejenigen, bei denen einen Rentenverfahren z.B. wegen Erwerb sminderung anhängig ist und viele, viele mehr.

    Natürlich haben auch die Knastis und die Sanktionierten nichts in der alt erwürdigen Arbeitslosenstatistik zu suchen. Kurzum: rigorose Ausweitung der Sanktionspraxis schönt die Arbeitslosenstatistik.

    Und die mehr oder weniger unbedarften Wähler werden sich verwundert die Augen reiben, wenn sie spätestens am Vorabend der Wahl durch die Waschmittelwerbung der Parteien die nochmals gesunkenen Arbeitslosenzahlen vor Augen geführt bekommen – und wie immer hereingelegt werden.
    Unsere Demokratie ist nunmal das System der unbegrenzten Möglichkeiten.

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