Armut von Kindern und Jugendlichen in Europa

Armut und Perspektivlosigkeit grassieren in der jüngeren Generation Europas: Fast 30 Prozent aller jungen Menschen unter 18 Jahren sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Rund 5,4 Millionen zwischen 20 und 24 Jahren haben gar keinen Kontakt zum Arbeits- oder Ausbildungsmarkt. Das zeigt die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Erschreckend ist, dass diese Befunde längst nicht neu sind. AWO Vorstandsvorsitzender Wolfgang Stadler verdeutlicht heute, dass die Arbeiterwohlfahrt (AWO) seit Jahren auf diese gefährlichen Entwicklungen hinweist.

Die Zahlen, die auf Ebene der Europäischen Union zur Europa-2020-Strategie gesammelt wurden, zeigen, dass das Elend wieder in Europa ankommt. „Diese Daten demonstrieren, dass die derzeitigen politischen Strategien nicht aufgehen“, erklärt Stadler. Er warnt: „Wir sind dabei, unsere Zukunft zu verspielen und Armut zu zementieren.“ Die AWO macht darüber hinaus deutlich, dass die Perspektivlosigkeit der Jüngeren gefährlich ist und vor allem das zunehmende Nord-Süd-Gefälle eine enorme Sprengkraft für die EU insgesamt darstellt und somit auch für die Zukunft Deutschlands.

Für die AWO ist klar, dass immer neue Programme gegen Jugendarbeitslosigkeit alleine keine Lösung sein können. Die Ursachen für die verheerenden Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt können so alleine nicht bekämpft werden. „Wir müssen das Problem an der Wurzel anpacken und uns von den üblichen Liberalisierungen und Kürzungsprogrammen verabschieden“, führt der Vorstandsvorsitzende aus.

Die EU muss eine echte Fiskalunion werden und die soziale Dimension stärken. Für die AWO gehört dazu beispielsweise ein gemeinsames Mindestniveau an sozialen Standards zu verankern. Genauso sind Transfers zu organisieren, wie sie in Deutschland mit dem Länderfinanzausgleich bereits akzeptiert werden. Deshalb sind die Struktur- und Investitionsfonds in diese Richtung weiterzuentwickeln. Die AWO diskutiert derzeit konkrete Vorschläge, die Ende des Jahres präsentiert werden.

Klar ist schon jetzt: „Von einem sozialen Europa profitieren letztlich alle Menschen in der EU. Deshalb braucht die EU mehr Integration und Solidarität – gerade auch vor den aktuellen Herausforderungen“, ist sich Stadler sicher. Auch die Bundesrepublik würde in jedem Fall erheblich profitieren. Stadler verweist abschließend auf die Flüchtlingskrise: „Wir spüren doch gerade sehr deutlich, wie sehr uns ein Europa der nationalen Egoismen schadet. Das sollte für uns ein Weckruf sein und uns motivieren, gemeinsam die soziale Dimension der EU zu stärken.“

Quelle: AWO Bundesverband e.V.

3 Gedanken zu „Armut von Kindern und Jugendlichen in Europa“

  1. Ohne Arbeit hat unsere Jungend Null Chance an sozialer Teilhabe. Die Lösung liegt an der Abschaffung der BA und in der Einführung einer repressionsfreien Grundsicherung, die ihren Namen auch wirklich verdient. Spontan fällt mir dazu ein:

    Raumschiff Hannemann / StarTrek V – Am Rande der Menschlichkeit

    „Der Arbeitsmarkt – unendliche Weiten – Wir befinden uns in einer allzu nahen Gegenwart. Dies sind die Abenteuer des neuen Raumschiffs Inge Hannemann das viele Lichtjahre von den unmenschlichen Abläufen innerhalb der Jobcenter unterwegs ist, um entfernte Menschlichkeit in Jobcentern zu entdecken. Die Hannemann dringt dabei in Grundgesetz-Galaxien vor, die nie ein Mensch im Jobcenter zuvor gesehen hat …“

    Raumschiff Hannemann / StarTrek V – Am Rande der Menschlichkeit
    aufgewachter.wordpress.com

  2. „….Stadler verdeutlicht heute, dass die Arbeiterwohlfahrt (AWO) seit Jahren auf diese gefährlichen Entwicklungen hinweist.“
    Und, wer hat was dran gedreht? Solche Äusserungen kann man in diesem Lande besser ins Klo husten da es KEINEN interessiert bis dann der eigene Frack brennt.
    Wir lauschen lieber den Lobgesängen auf unseren Arbeitsmarkt, auf unsere Sozialpolitik und unsere humanitäre Gesellschaft – ein Dreck, man sehe sich nur in Südeuropa um was WIR maßgeblich mitverzapfen und von dem relativ wenige so sehr profitieren dass die dann aber den gesamten Durchschnitt – zb bei den Einkommen oder Umsätze – anheben.

    „Wir müssen das Problem an der Wurzel anpacken und uns von den üblichen Liberalisierungen und Kürzungsprogrammen verabschieden“, führt der Vorstandsvorsitzende aus.
    Das hieße dass die Profiteure verzichten oder die Rechnung zahlen müssten. Wer darauf baut, der glaubt sicher noch an den Klapperstorch.

    In der Sache wird sich erst was ändern wenn sich die Opfer dieser Politik endlich wehren und den ganzen Laden der so von Armut / Hungerlöhnen / Sozialraub usw profitiert hat hochnehmen. Dann wird es wieder die falschen treffen und am Tag danach geht das ganze dreckige Spiel mit Menschen und deren Leben wieder von vorne los und wir können uns sicher sein dass sich die Figuren kaum bis gar nicht geändert haben. Nur die Versprechen, Lügen und Tricks werden andere sein.

  3. Gehört die Arbeiterwohlfahrt nicht auch zu den Nutznießern der Situation?
    Mir ist so als ob deren eigene Politik gegenüber ihren Angestellten auch nicht koscher ist.
    Also wiedermal eine Meldung zur Temperatur des Badewassers.

    „Unterhalten sich drei Löwen und eine Gazelle darüber was es zum Abendbrot gibt“.

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