Arbeitslose immer länger in Hartz IV

Paritätischer fordert öffentlich geförderte Beschäftigung für Langzeitarbeitslose.

Durchgreifende Reformen in der Arbeitsmarktpolitik fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband angesichts aktueller Zahlen, nach denen die Verweildauer von Arbeitslosen in Hartz IV erneut gestiegen ist. Einmal arbeitslos, sei es immer schwerer für Hartz-IV-Beziehende, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Durchschnittlich dauere es mittlerweile 21 Monate, bevor die Menschen überhaupt Beschäftigung fänden, rund 400.000 Langzeitarbeitslose seien auf absehbare Zeit so gut wie gar nicht mehr in den ersten Arbeitsmarkt vermittelbar. Der Verband fordert vor diesem Hintergrund öffentlich geförderte Beschäftigungsangebote.

Nach Auffassung des Verbandes zeigt sich aktuell, dass Hartz IV kein Sprungbrett ist und niemals war. „Wenn überhaupt dann werden die Menschen zu großen Teilen in einem Hamsterrad gehalten, aber sie werden nicht in gute Beschäftigung vermittelt. Hartz IV ist für viele Menschen schlicht eine Sackgasse“, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Der Verband weist darauf hin, dass die faktische Vermittlungsquote von arbeitslosen Hartz-IV-Beziehenden in Arbeit durch die Jobcenter lediglich bei knapp fünf Prozent liegt.

Das gesamte System Hartz IV gehöre auf den Prüfstand, fordert der Paritätische. Zwingend notwendig sei die Abschaffung der Sanktionen in Hartz IV und ein Ausbau öffentlich geförderter Beschäftigung. „Alle Praktiker wissen, dass die Betreuung alleine nicht mehr weiter führt bei rund 400.000 Langzeitarbeitslosen, die praktisch nicht mehr auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln sind. Wenn es aber der erste Arbeitsmarkt nicht hergibt, dann braucht es andere Angebote“, so Schneider. „Statt sanktionsflankierter Maßnahmen ohne Perspektive brauchen wir echte maßgeschneiderte Betreuung in einem öffentlich geförderten Beschäftigungssektor“, fordert Schneider.

Quelle: Presse Paritätischer Gesamtverband

14. Juli 2017

4 Kommentare

  1. Korbacherjunge

    16. Juli 2017 um 10:14

    Ja Hartz 4 brauch t keiner und die Sanktionen gehören sofort abgeschafft.

    Und der Regelsatz gehörte auch sofort erhöht auf 500,- € , oder …….

    • Hartz IV braucht jeder der statt selbst für seinen Lebensunterhalt zu sorgen, sich lieber auf anderer Leute Knochen nen schönen Lenz macht und wer sich im Lichte von nahezu Vollbeschäftigung sonnen will – also die Schmarotzer aus der Wirtschaft und die Lügenbarone aus der Politik.

      Den Regelsatz könnte man doch in ANGEMESSENER Höhe direkt an die Diäten dieser Spezies koppen….. entweder hätten wir auskömmliche Sozialleistungen oder die Herrschaften würden nach eigenen Aussagen Dreck fressen müssen. Bis jetzt fressen wir den Dreck den die ganz alltäglich wie am Fließband verzapfen.

  2. Willi Freundlich (Pseudonym)

    16. Juli 2017 um 12:33

    Es ist ein trauriger Zustandsbericht:
    Hamsterrad,
    Sackgasse,
    Vermittlungsquote 5 %,
    Hartz IV kein Sprungbrett.

    Bleibt nur noch festzustellen, dass faktisch für jeden Alg2-Bezieher der jetzige Lebensstandard dauerhaft fürs ganze Leben festgeschrieben ist. Traurig aber wahr.

  3. Herbert Masslau

    16. Juli 2017 um 13:19

    „Hartz IV“ hat von Anfang an nicht dazu gedient, Arbeitslose in Beschäftigung, geschweige denn in sozialversicherungspflichtige Arbeit zu bringen.
    „Hartz IV“ ist geschaffen worden, um den Unternehmen die Möglichkeit zu geben, einen Niedriglohnsektor auf- und auszubauen auf Kosten aller Steuerzahler, die dann Lohnanteile über aufstockendes „Hartz IV“ finanzieren.
    Das war in dieser Form unter der alten Sozialhilfe nicht möglich. § 18 BSHG ging (bis 2004) von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen aus, Beschäftigungsverhältnisse mit untertariflicher Bezahlung konnten (sanktionslos) abgelehnt werden. Zwar entspricht § 10 SGB II rein oberflächlich den Formulierungen von § 18 BSHG, meint aber die Annahmepflicht bezüglich jedweder Beschäftigung – deswegen ist auch nicht mehr von „Arbeit“ die Rede, sondern von „Beschäftigung“. Diesen Automatismus hat es unter der alten Sozialhilfe nicht gegeben. Und: das „Arbeitslosengeld II“ ist entgegen seiner Bezeichnung kein Arbeitslosengeld, sondern eine Sozialhilfe, was schon der gegenseitige Ausschluß (§ 5 Abs. 2 SGB II, § 21 SGB XII) verdeutlicht.

    Herbert Masslau

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