Altersrente: Beweislast für Zahlung von Rentenbeiträgen während der Ausbildung tragen Versicherte

Ein 1954 geborener Mainzer begehrte von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz die Anerkennung einer nicht abgeschlossenen Ausbildung zum Raumausstatter in den Jahren 1969 bis 1972. Bei Anerkennung dieser Zeiten hätte er zu einem früheren Zeitpunkt in Rente gehen können. Er erklärte jedoch, dass er keine Unterlagen mehr vorlegen könne und dass das Unternehmen auch nicht mehr existiere, der Inhaber sei verstorben.

Die Rentenversicherung, der die Abführung von Rentenbeiträgen für diese Zeit nicht gemeldet worden war, forschte ohne Erfolg bei den betroffenen Krankenkassen, der Deutschen Rentenversicherung Hessen und der Deutschen Rentenversicherung Bund nach. Sodann lehnte die Behörde die Anerkennung der Zeiten ab. Auch eine Bestätigung der Kreishandwerkerschaft aus der zumindest der Abschluss eines Ausbildungsvertrages hervorging änderte hieran nichts. Aus der Bestätigung ergebe sich nicht, dass dem Kläger damals eine Ausbildungsvergütung gezahlt worden sei und dass Sozialversicherungsbeiträge abgezogen worden seien.

Gegen die Entscheidung der Rentenversicherung zog der Kläger vor das Sozialgericht Mainz. In der mündlichen Verhandlung legte er nochmals dar, keinerlei Unterlagen mehr für diesen Zeitraum zu haben. Es werde Unmögliches von ihm verlangt, da Unterlagen über die Abführungen von Sozialabgaben nur der Arbeitgeber habe. Er könne aber Zeugen für die Ausbildung benennen.

Mit Urteil vom 17.06.2016 (Aktenzeichen S 10 R 511/14) hat das Sozialgericht Mainz die Entscheidung der Rentenversicherung bestätigt und die Klage abgewiesen. Das Gericht führte aus, dass zwar davon ausgegangen werden könne, dass der Kläger tatsächlich in der angegebenen Zeit die geltend gemachte Ausbildung absolvierte. Aber nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts führe die Glaubhaftmachung eines versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses nicht dazu, dass auch die Abführung von Sozialversicherungsbeiträgen glaubhaft gemacht sei. Stattdessen müsse beides getrennt beurteilt werden.

Für die Abführung bzw. den Abzug dieser Beiträge von einer Ausbildungsvergütung würden sich im Fall des Klägers aber keine Beweise mehr finden. Diese Nichterweislichkeit gehe zu seinen Lasten. Im Übrigen werde nichts Unmögliches von ihm verlangt, denn über alte Korrespondenz mit den Kranken- oder Rentenversicherungsträgern, alten Gehaltsabrechnungen oder Kontoauszügen oder die Benennung von Zeugen, könne auch ein

Arbeitnehmer grundsätzlich die Abführung von Beiträgen glaubhaft machen.

Quelle: Sozialgerichts Mainz

3 Gedanken zu „Altersrente: Beweislast für Zahlung von Rentenbeiträgen während der Ausbildung tragen Versicherte“

  1. Die Entscheidung des Sozialgerichts Mainz folgt einmal mehr dem Grundsatz, dass wer einen Anspruch anmeldet diesen auch beweisen muss. Zugleich mahnt die Entscheidung an, dass für die Anerkennung rentenrechtlicher Zeiten nicht nur Gehaltsabrechnungen und Korrespondenz mit Krankenkassen und der DRV, sondern alle bedeutsamen Ereignisse im Leben eines jeden ab dem 17. Lebensjahr Jahrzehnte lang aufbewahrt werden müssen. Dazu gehören schulische und berufliche Ausbildung, Studium, Fortbildung und Umschulung, ebenso wie Zeiten der Flucht und Vertreibung, der Erkrankung, Unfallereignisse, Ärztliche Atteste und Gutachten, so auch familiäre Ereignisse wie Heirat, Kinder und Vereinbarungen über die Kindererziehung und vieles mehr.

    Gerade in den Zeiten dahin schmelzender Rentenhöhen sollte man sich im Verlauf seines Lebens immer wieder mal mit seiner künftigen Rente beschäftigen.

  2. @ jörg freundlich : welche zukünftige rente ? in welcher währung ? nach wieviel jahren einzahlung ? . . .

    1. @ X: Ich vermag heute nicht zu sagen, wie unsere Renten künftig gemanagt werden. Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass die derzeit stark belasteten Druckerpressen zum Alteisen geschmissen und die Renten dann in Bytes und Bits ausbezahlt werden – wobei diese unendlich erzeugt werden können.

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