Altersarmut in Ostdeutschland wird brisant
“Es ist zu begrüßen, dass sich die Politik der drohenden Altersarmut annimmt. Diese wird in den nächsten Jahren an Brisanz gewinnen, vor allem in den neuen Bundesländern.” Das erklärte der Präsident des Sozial- und Wohlfahrtsverbandes Volkssolidarität, Prof. Dr. Gunnar Winkler, am Montag in Berlin. “Die Untersuchungen unseres Verbandes bestätigen die Befürchtungen der Minister von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.”
Der Verbandspräsident wies daraufhin, dass nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bereits 2005 rd. 26 Prozent der in Deutschland Lebenden armutsgefährdet waren, in Ostdeutschland allein rund 35 Prozent. “Von den Jahrgängen 1942 bis 1961, die in den nächsten 20 Jahren in Rente gehen, werden 30 Prozent in Ostdeutschland ausschließlich die gesetzliche Rente erhalten, ohne Zusatzversorgungen und private Vorsorge. Von den heute 45- bis 65-jährigen Arbeitern und Angestellten in den neuen Bundesländern verfügen etwa 67 Prozent über eigene Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit. Sie waren im Durchschnitt mehr als acht Jahre arbeitslos, mit entsprechenden Wirkungen auf ihre gesetzliche Rente.”
In Ostdeutschland seien zudem 41 Prozent der Beschäftigten von Niedriglohn betroffen, der hier von 2004 bis 2006 durchschnittlich von 5,38 auf 4,86 Euro gesunken sei. “Auch das hat Wirkungen auf die künftige Rente”, betonte Winkler. Zudem führten die Rente mit 67 und der Zwang zur vorzeitigen Berentung mit Abschlägen zu einer Absenkung des Rentenniveaus. “Die Volkssolidarität geht davon aus, dass es dringend erforderlich ist, dieser Entwicklung gegenzusteuern und bereits heute Schritte einzuleiten, um eine massive Ausbreitung von Altersarmut zu verhindern. Vordringlich geht es darum, das Leistungsniveau der gesetzlichen Rente wieder zu stärken und ihre Schutzfunktion vor Armut zu sichern. Wesentliche Ursachen für künftige Altersarmut liegen in Strukturen der heutigen Arbeitswelt und in der hohen Arbeitslosigkeit begründet. Daher müssen mehr versicherungspflichtige, existenzsichernde Arbeitsplätze sowie angemessene Löhne dazu beitragen, Altersarmut zu verhindern. D ies schließt auch die Einführung von Mindestlöhnen ein.”
Der Verbandspräsident verwies in dem Zusammenhang auf die kürzlich vorgestellten Forderungen der Volkssolidarität, um Altersarmut zu verhindern. Diese seien nicht nur für Ostdeutschland gültig. “Dazu gehört aber auch, dass der Rückstand beim Rentenwert Ost durch Nachteilsausgleiche in Form von steuerfinanzierten Zuschlägen solange überbrückt werden müsse, bis eine entsprechende Angleichung der Einkommen Ost an die in den alten Ländern erzielt ist.”
Quelle: Pressemeldung Volkssolidarität
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