Wohnimmobilienkreditrichtlinie: Umfrage von Deutscher Seniorenliga und Verbraucherzentrale Bremen zeigt Schwierigkeiten von älteren Menschen bei der Immobilienfinanzierung auf. Banken und Sparkassen berufen sich häufig auf die Vorgaben der Wohnimmobilienkreditrichtlinie, wenn sie Immobilienfinanzierungen älterer Verbraucherinnen und Verbraucher ablehnen. Das hat eine Umfrage ergeben, die die Deutsche Seniorenliga mit der Verbraucherzentrale Bremen durchgeführt hat.

71 der befragten Personen waren seit Inkrafttreten der Gesetzesänderung bei ihrer Bank wegen einer Immobilienfinanzierung. Das Ergebnis: Fast jeder Dritte (30 Prozent) hatte Schwierigkeiten, ein Angebot zu bekommen.

Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Betroffenen gab an, dass die Kreditinstitute den Finanzierungsantrag mit Verweis auf die neuen gesetzlichen Regelungen abgelehnt hatten. Am häufigsten scheiterten die Verbraucherinnen und Verbraucher bei Genossenschaftsbanken (48 Prozent) und bei Sparkassen (33 Prozent). „Das Ergebnis zeigt uns, wie wichtig klare Leitlinien zur Umsetzung der neuen Vorschriften seitens des Gesetzgebers sind, gerade auch im Umgang mit älteren Darlehensnehmern“, sagt Dr. Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen.

Seit Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie im März 2016 berichteten Medien immer wieder darüber, dass insbesondere ältere Menschen, junge Familien und Selbstständige vermehrt Schwierigkeiten hätten, eine Immobilienfinanzierung zu bekommen. Tatsächlich gab es bislang jedoch keine konkreten Zahlen darüber. „Mit unserer Umfrage wollten wir dieser Frage nachgehen und ein Schlaglicht auf die Situation von Seniorinnen und Senioren werfen“, sagt Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga.

Alter als häufigster Ablehnungsgrund

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie soll verhindern, dass Banken und Sparkassen Immobiliendarlehen an Verbraucherinnen und Verbraucher vergeben, die die finanzielle Belastung langfristig nicht tragen können. Annabel Oelmann sieht das neue Gesetz grundsätzlich positiv. „Es darf aber nicht dazu führen, dass die Richtlinie dazu missbraucht wird, weniger lukrative Darlehensanfragen abzulehnen“, so Oelmann.

Neben dem Argument der Wohnimmobilienkreditrichtlinie lehnten die Kreditinstitute laut der Umfrage in 71 Prozent der Fälle die Finanzierungsanfragen auch mit Verweis auf das Alter ab. Weitere Ablehnungsgründe waren ein zu geringes Einkommen oder eine selbstständige Tätigkeit. 81 Prozent der Betroffenen sind älter als 60 Jahre und immerhin 71 Prozent gaben an, über ein monatliches Netto-Einkommen von mindestens 2.000 Euro zu verfügen. „Die Finanzierung einer eigenen Wohnung oder eines Umbaus nur mit dem Verweis auf das Alter zu verweigern, ist ein Fall von Altersdiskriminierung“, so Hackler.

Marktwächter Finanzen sammelt weitere Fälle betroffener Verbraucher

Dass die Deutsche Seniorenliga für ihre Umfrage mit der Verbraucherzentrale Bremen kooperiert hat, ist kein Zufall. Schließlich ist dort auch das Team des bundesweiten Projektes Marktwächter Finanzen angesiedelt, das für den Bereich Immobilienfinanzierung zuständig ist. „Unsere Aufgabe ist es, den Markt aus Verbrauchersicht zu beobachten und die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft auf Fehlentwicklungen hinzuweisen“, sagt Teamleiter Philipp Rehberg. „Wir gehen den Auswirkungen der Neuregelungen zur Kreditwürdigkeitsprüfung auf den Grund“, so Rehberg weiter.

Das Bremer Marktwächter-Team hat daher einen Aufruf zur Wohnimmobilienkreditrichtlinie gestartet. Über die Webseite der Marktwächter unter www.marktwaechter.de/finanzen können sich Verbraucherinnen und Verbraucher melden, die seit Umsetzung der Richtlinie Probleme haben, eine Immobilienfinanzierung zu bekommen.

Zur Online-Umfrage

Die Deutsche Seniorenliga befragte im März 2017 insgesamt 305 ihrer Mitglieder aus ganz Deutschland. 71 von ihnen hatten seit Inkrafttreten der Richtlinie im März 2016 in Gesprächen mit einer Bank oder Sparkasse um einen Kredit gebeten, um ein Eigenheim zu erwerben, weiter zu finanzieren, umzubauen oder zu renovieren. 21 Personen gaben an, dabei Schwierigkeiten gehabt zu haben.

Quelle: Presse Verbraucherzentrale Bremen

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27. April 2017