Alt, alleinstehend, Opfer?

Polizei und WEISSER Ring informieren über Kriminalität gegen Senioren

Senioren sind von Straftaten nicht öfter betroffen als andere Altersgruppen. Demgegenüber haben die zunehmende öffentliche Diskussion und die Aufberei-tung in den Medien den Eindruck entstehen lassen, insbesondere Gewalt richte sich in wachsendem Maße gegen ältere Menschen. Dabei sind es andere Strafta-ten, die vor allem Senioren treffen, wie der Trickbetrug beispielsweise. Das Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) hat sich gemeinsam mit dem WEISSEN RING dieses Themas angenommen und für die ältere Zielgruppe zwei neue Seniorenbroschüren veröffentlicht.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2014 belegt: Ältere Menschen ab 60 Jahren werden verhältnismäßig selten Opfer von Gewaltkriminalität. Nur 11.865 Personen wurden 2014 als Opfer von Gewaltkriminalität registriert. Das sind rund 5,6 Prozent aller Opfer von Gewaltkriminalität. Entgegen dem allgemeinen Trend zu einem Rückgang der Kriminalitätsgefährdung mit dem Alter gibt es jedoch im Bereich der Pflegebeziehungen sowie bei Eigentums- und Vermögenskriminalität Delikte, bei denen gezielt ältere Menschen als Opfer gewählt werden. Eines der Betrugsdelikte ist der so genannte „Enkeltrick“, der im Bereich der Trickdiebstähle einen steilen Anstieg des Viktimisierungsrisikos im höheren Alter verzeichnet.

Andererseits ist belegt, dass gerade ältere Menschen Experten für die eigene Sicherheit sind; die erhöhte Wahrscheinlichkeit, Opfer von Gewalt zu werden, betrifft vor allem die jungen Altersgruppen. Um aber ältere Menschen für mögliche Gefahren zu sensibilisieren und ihnen Tipps an die Hand zu geben, bietet die Polizei mit den neuen Broschüren zwei umfassende Ratgeber an, die den unterschiedlichen Lebensphasen der Senioren Rechnung tragen: Jüngere Senioren sind agiler und erleben einen anderen Alltag als diejenigen, die im hohen Alter eher ans Haus gebunden sind. Beide Broschüren wurden in Zusammenarbeit mit dem WEISSEN RING herausgegeben.

„Da immer mehr Menschen immer älter werden, entwickeln sich vermehrt spezifische, auf ältere Opfer ausgerichtete Deliktsmuster. Aus diesem Grund müssen die Zielgrup-pen unterschiedlich angesprochen und informiert werden“, erklärt Gerhard Klotter, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK).
Das Hauptaugenmerk beider Broschüren besteht darin, dass sie nicht nur typische Verhaltensweisen von Tätern beschreiben, sondern auch Verhaltenstipps für jede Situation geben und darüber informieren, wie man sich verhalten sollte, wenn man Opfer geworden ist.

Die Broschüre „Sicher Leben“ wendet sich an die Frauen und Männer, die an der Schwelle zum Rentenalter stehen oder sich bereits in dieser Phase befinden und dennoch so junggeblieben sind, dass sie uneingeschränkt aktiv am Leben teilnehmen können, sprich, im Internet surfen und dort Produkte bestellen, viel außer Haus unternehmen und rege soziale Kontakte pflegen. Ihrer Lebenssituation angepasst gibt es Tipps und Informationen zu Gefahren an der Haustür, im Internet oder auch unterwegs. Des Weiteren können sie sich über Gewalt in der Pflege informieren und erfahren mehr zur Nachbarschaftshilfe oder dem richtigen Zeugenverhalten.

Die Broschüre „Sicher zu Hause“, richtet sich dagegen an Seniorinnen und Senioren im höheren Lebensalter, die nicht mehr so mobil leben können, und darum eher alterstypischen Gefahren ausgesetzt sind, die ihnen im häuslichen Umfeld (Haustür oder Telefon) begegnen können. Diese Broschüre ist für eine bessere Lesbarkeit angesichts der Zielgruppe extra im A4 Format erstellt und mit einer größeren Schrift versehen worden. Die Leserinnen und Leser werden darüber informiert, wie Täter beispielsweise versuchen, durch Tricks und Täuschungen an das Vermögen älterer Menschen zu gelangen.

„Kriminelle überlegen sich immer raffiniertere Methoden, um sich gezielt an Senioren zu bereichern und sie zu betrügen“, sagt Roswitha Müller-Piepenkötter, Bundesvorsitzende des WEISSEN RINGS. Neben dem finanziellen Schaden würden älteren Opfer mit psychischen Folgen kämpfen, wenn sie Opfer werden. Sie betont: „Wer auf eine Masche hereinfällt, schämt sich oft im Nachhinein und möchte nicht, dass andere erfahren, wie naiv man war. Aus Scham melden sich viele ältere Menschen daher erst gar nicht bei der Polizei.“ Der WEISSE RING stehe Senioren in diesen schweren Situationen beiseite. „Mit den Broschüren wollen wir erreichen, dass Senioren seltener Opfer von Kriminellen werden, denn die Prävention von Kriminalität ist der beste Opferschutz“, unterstreicht Müller-Piepenkötter.

Quelle: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes