Alltagsbericht Hartz IV: Kleinkrieg mit Jobcenter - Sanktionen und Jugendamt
Es ging darum, dass ich seit einem Jahr um eine Ausbildung kämpfte, die ich gerne machen wollte, das Jobcenter sie aber bis dato verwehrt hat. Daraufhin hat mein Anwalt über das Sozialgericht versucht das gerichtlich zu erwirken, was ihm leider nicht gelang. Das SG entschied für das Jobcenter, die Anmeldefrist für die Ausbildung ist verstrichen und eine weitere Instanz wollen wir nicht gehen.
Aufgrund solcher Dinge versucht das Jobcenter, meine Betreuerin, nun mit mir einen “Kleinkrieg” auszutragen.
Es wird versucht alles zu sanktionieren, was irgendwie einen Hauch einer Chance hätte. Und wenn es vor Gericht scheitert, so deutete man es an, es ist ihnen erstmal egal, denn am Ende zahlt ja der Steuerzahler die gerichtliche Auseinandersetzung. Die vorerst Sanktionierung reicht meiner Betreuerin aus.
Zuerst versucht man mir einen Maßnahmeabbruch zu sanktionieren. Ich wurde per Verwaltungsakt, da ich die Eingliederungsvereinbarung nicht unterschrieben habe, zu einem Maßnahmeträger verwiesen. Dort erschien ich auch, wollte aber die Unterlagen zur Prüfung mitnehmen, die mir vor Ort gegeben worden. Das lehnte man erst ab, stimmte dem aber dann doch zu. Ich nahm sie mit und schickte sie postalisch zur Sichtung an meinen Anwalt, was ich auch vor Ort mitteilte. Daraufhin verwies man mich von der Maßnahme was ich auch schriftlich habe. Auch das interne Dokument zwischen Jobcenter und Maßnahmeträger habe ich vorliegen. Auch hier sah man die Zwangszuweisung als kontraproduktiv. Dennoch versucht meine Sachbearbeiterin zu sanktionieren. Das Witzige bei einer Sanktionsanhörung ist ja, dass genau die Person über die Sanktion entscheidet, die auch die Anhörung raus schickt.
Als zweites versucht man mir eine Arbeitgeber-Absage zu sanktionieren. Mit dem Arbeitgeber verstand ich mich aber das Jobcenter stellt mich als langfristige Arbeitskraft in Aussicht - ich war ehrlich und teilte mit, dass ich bis zur Rente nicht dort arbeiten möchte sondern in meinem Bereich mich weiter bewerben werde und falls ich was bekomme auch wechseln würde. Die Absage versucht man nun zu sanktionieren.
Und heute kamen noch die Sanktionsanhörung 3,4,5 wonach im Moment Sanktionen in Höhe von 150 % im Raume stehen. Ich habe mich nicht auf bestimmte Bewerbungsvorschläge (Frage mich wieso es VORSCHLÄGE heißen) beworben, einfach weil ich kein Lagerarbeiter oder sonstiges bin. Bei meiner vorigen Sachbearbeiterin wurde dies NIE sanktioniert.
Der Höhepunkt allem ist aber die Aussagen bezogen auf das Jugendamt. Es gab schon einmal die Andeutung eines Sachbearbeiters, dass bei einer Sanktion von 60 % das Jugendamt informiert werden würde und die ja doch keinen Spaß verstehen und nicht so zimperlich wären (waren seine Worte). Meiner Meinung Nach psychologisches in die Ecke drängen da Eltern ja über ihre Kinder angreifbar sind.
Nun hat meine SB etwas gerissen und da ich durch die Kita Zeiten Probleme habe einen Haupt-Job zu finden meinte sie dass man dann doch andenken sollte, die Kita zu wechseln die eine Stunde länger gehen würde, was aber in Berlin eh ein Problem ist und das sind dann so Sachen auf die ich allergisch reagiere, da wir die Kita lange gesucht haben und die echt gut ist und ich nicht einschätzen kann wie weit das Amt gehen kann und wie weit es Einfluss hat und da mitmischen darf.
Weiterhin teilte sie mir mit, dass bei 30 % Sanktion das JA informiert werden würde. Das Jobcenter Spandau bestätigt diese Regelung. Laut seiner Aussage passiert dies “zum Schutz der Kinder” ab einer Sanktion von 30 %, auch in einer Bedarfsgemeinschaft.
Bereichs- und Teamleiter sind übrigens NICHT bereit zu helfen , stimmen ihrer Mitarbeiterin zu.
Ich weiß da nicht mehr weiter. Eltern sind über ihre Kinder angreifbar. Das wirkt auch bei mir, doch wieso kommen Kinder erst in diese “Notlage”, wie die Ämter sie nennen? Natürlich durch die Tatsache, dass sanktioniert wird. Bei uns ist es zum Glück so, dass die Frau voll arbeitet und ich ein Nebengewerbe betreibe, aber ich hörte, dass Jugendämter da manchmal nicht mal vorab sich die Gegebenheiten anschauen und direkt das Kind aus der Familie entziehen.
Auf jeden Fall haben nicht nur Mütter diesen psychischen Druck. Auch ich mache mir viele Gedanken und weiß selbst nicht mehr weiter. Ein Besuch vor Ort würde zeigen dass hier kein Handlungsbedarf ist. Ich weiß halt nicht mehr was ich machen soll.
Hier sollte doch eigentlich der Anwalt längst massiv dazwischen gegangen sein. Schläft der?
2. ... Kommentar von erika
am Freitag, 16.12.2011.
Such dir bei zuständigen stellen, vielleicht auch hier im Netz, Hilfe und Unterstüzung, vielleicht machst du dir auch unnötige Sorgen und kannst dies
bestätigt bekommen, wer weiß.
Ich kann mir Deine Ängste gut vorstellen, habe auch schon mal solche Sorgen gehabt und dann den Kindsvater angesprochen wegen Unterstützung, ging aber bei mir erst gar nicht so weit, Gott sei Dank.
die Kita zu wechseln die eine Stunde länger gehen würde…..
Wie lange geht das Kind schon in die Kita ?
Wenn da bereits gute soziale Bindungen vorhanden sind, kann man das Kind
hier nicht so einfach rausreissen, hier ist schon mal ein Ansatzpunkt.
Wenn man sich z.B. scheiden lässt, das gemeinsame Kind von den Großeltern betreut wurde, dann haben die nach der Trennung ein Recht darauf, das Kind regelmäßig zu sehen. Das Kind geht sicher schon eine
Weile in die Kita und hat sich gut eingelebt und soziale Bindungen geknüpft, es da raus zu reißen, entspricht nicht dem gesetzlichen Kindswohl.
3. ... Kommentar von fat man
am Freitag, 16.12.2011.
Im Großen und Ganzen ist mit Hartz IV ein toller Wurf gelungen der so wirkt wie er wirken SOLLTE……. die Menschen mürbe machen auf dass sie lieber verhungerten als dass sie sich diesen, von Unmenschen ausgeKOTZten Dreck antun oder daran irgendwann zerbrechen.
Vielleicht gibt es noch Gerechtigkeit und dieses Dreckpack kriegt die eigene “Medizin” verabreicht. Geiz würde ich mir da nicht nachsagen lassen wollen.
Dieser Bericht zeigt einmal mehr wie PERVERS dieses SKLAVENSYSTEM HARTZ ist! Und das macht den Sachbearbeitern in den Jobcenter zunehmend mehr Spaß diese “Machtposition” auszunutzen!
5. ... Kommentar von Taram
am Freitag, 16.12.2011.
Wenn man sanktioniert wird, darf man sich doch aber diese Lebensmittelscheine holen, nehmt ihr das in Anspruch? Ich würde es auf alle Fälle wegen der Kids tun - weiterhin viel Kraft beim Kämpfen
6. ... Kommentar von Korbacherjunge
am Freitag, 16.12.2011.
JA aber nur so lange der SB nicht persönlich angesprochen wird unter vier Augen , aus Erfahrung weis ich das das Hilft.
Den spätenstens bei so einen Gespräch fengt ein SB zu denken an.
7. ... Kommentar von Streetfigther
am Freitag, 16.12.2011.
Warum brauchen sich Jobcenter nicht an das Bundesverfassungsgerichtsurteil halten in dem steht,das das Existenzminimum unverfügbar ist?
Das heisst doch in Wirklichkeit das Sanktionen rechtswidrig sind,und deren Androhung einer Nötigung gleichkommen.
Dabei wird noch das Grundgesetz ausgehebelt!
8. ... Kommentar von fat man
am Freitag, 16.12.2011.
@Taram
Nein, da gehe lieber schwarz arbeiten oder klauen bevor ich mich in aller Öffentlichkeit als ein widerlicher Schmarotzer ansehenen lassen muss oder den MÜLL von den Tafeln fresse, geschweige das meinen Kindern vorzusetzen.
@Hans
Es gilt den Spieß umzudrehen…… neulich sagte ich meinem Aufseher bei so einer Sanktionsandrohng dass ich in seiner Wohnsiedlung gern spazieren ginge - er hat verstanden.
@fat man, bin ganz deiner meinung aber ob die sich alle drohen lassen?
10. ... Kommentar von lagune
am Freitag, 16.12.2011.
§ 31 Bverfgg
(1) Die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts binden die Verfassungsorgane des Bundes und der Länder sowie alle Gerichte und Behörden.
11. ... Kommentar von Taram
am Samstag, 17.12.2011.
@fat man
aber was meinst du,wie die SBs auskotzen werden, wenn du es in Anspruch nimmst - ich würde denen dabei frech ins Gesicht grinsen - und es geht um die Meldung beim Jugendamt - willst du denen auch erzählen, du gehst schwarz arbeiten oder klauen
12. ... Kommentar von diogenes
am Samstag, 17.12.2011.
Gesetze stehen auf dem papier und das ist bekanntlich sehr geduldig.
in einer gesellschaft wo der amtsschimmel über ein rennpferd gesetzt wird wird es diese gesetzesverstöße weiterhin geben.
das sich behörden und ämter über geltendes recht hinwegsetzen ist doch einzig und allein der verantwortungslosigkeit der politik zuzuschreiben.
solange diese behörden und ihrer mitarbeiter mit dem politischen persilschein ausgestattet sind und sich des wohlwollens einer politischen kaste sicherseinkönnen wird sich an diesem dilämma nichts ändern.
es wird höchste zeit das die deutsche gesetzgebung insbsondere der amtsanmaßung,rechtsbeugung im amt und hatfbarkeit der mitarbeiter dieser behörden bei fehlentscheidungen geändert wird.
13. ... Kommentar von emorfine
am Samstag, 17.12.2011.
die Feinde sind nicht die Politiker, die Sachbearbeiter, die nicht eingehaltenen Gesetze, die Justiz.
Unser aller Feinde sind die Ignoranten, unsere Nachbarn, die ehemalige Mittelschicht, die sich immer noch für etwas Besseres hält. Neun von zehn meiner Mitmenschen in meinem direkten Umfeld sind so gleichgültig oder gegen die Leidenden eingestellt, dass ich einfach nur noch sprachlos bin.
Haben wir zuhause Gäste, so darf ich Politik nicht mehr anschneiden. Ich stehe auch in meiner Familie ziemlich allein und könnte die Wände hochklettern…
eine Hoffnung habe ich: OCCUPY! Die Bewegung wächst friedlich. Wir nehmen immer mehr Menschen mit.
Ihr alle helft endlich mit die neuen Gedanken mit zu verbreiten. Je mehr wir werden um so eher werden wir entscheidenden Einfluß haben.
Alles andere Gejammer hilft nicht weiter. Schaut in Facebook nach oder bei Occupy Deutschland. Ihr findet dort Ansprechpartner. Tut endlich etwas, denn Fat Man hat Recht:
Bevor ich den Tafeln zu Umsatz verhelfe, mich beim Jobcenter prostituiere oder meine Kinder auch nur in den Dunstkreis dieser Neoliberalen kommen lasse, dass heißen würde, dass ich dieses System anerkenne, campe ich lieber( nur im Internet, da behindert) und stecke alle meine Energie aktiv in eine Veränderung.
Wacht endlich auf, es ist schon 5 nach zwölf!
14. ... Kommentar von floh2
am Samstag, 17.12.2011.
@emorfine
Zitat: die Feinde sind nicht die Politiker, die Sachbearbeiter, die nicht eingehaltenen Gesetze, die Justiz.
Wer dann?
Damit ich mich deinen weiteren Ausführungen anschließen kann.
Und das Wort Feind ein sehr Mächtiges emotionales Wort ist, bitte ich, dich als Vater von fünf Kindern, definiere bitte genauer unsere schuld, hier insbesondere die der Kinder.
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